Warum Ich mich für das Schaltgetriebe im neuen GT3 entscheiden würde!


Ein Artikel von Porscheist



Der neue GT3 ist 'eigentlich' eine Modellpflege des 991 GT3!



Vor wenigen Wochen erst hat Porsche die neuste Version des 911 GT3 präsentiert und gleichmal einen neue Rundenrekord in den Asphalt der Nürburgring Nordschleife gebrannt.

Lediglich 7 Minuten und 12,7 Sekunden braucht man nun für die knapp 25 Kilometer lange Strecke. Theoretisch! Denn was Profis gelingt gilt für den ambitionierten Hobbyrennfahrer noch lange nicht! Jedenfalls ist der neue GT3 damit um ganze 12,3 Sekunden schneller als sein Vorgänger. In der Rennwelt ist das in etwa so lange wie ein Tausendfüßler braucht, um sich die Schuhe zu binden - eine halbe Ewigkeit.

Was den 'neuen' GT3, der streng genommen eine Modellpflege des Vorgängermodells ist, so schnell macht? Zum einen der Motor. Im Gegensatz zum 991.1 GT3 der nur über 3,8 liter Hubraum verfügte, welche 475 Pferde an das PDK schickten, verfügt der 991.2 GT3 nun über 4,0 liter Hubraum.

Damit erreicht er nun eine Spitzenleistung von 500 Pferdchen. Ein sattes Plus von 25 PS also.

Hinzu kommt ein von Porsche komplett überarbeitetes Fahrwerk und einige optische Retuschen an Front und Heckschürze.



Eine wahre Sensation aber spielt sich an anderer Stelle ab. Und zwar beim Getriebe! Erstmals bietet Porsche seinen Kunden nun auch beim sportlichsten 911 Derivat zwei verschiedene Getriebevarianten an. So feiert das, in den stärkeren und sportlicheren Varianten bereits für abgeschafft gehaltene, manuelle Sechsganggetriebe, eine unerwartete Rückkehr!

Bisher gab es dieses lediglich noch für die Carrera Versionen des Elfers zu erwerben, sowie für die Modelle 718 Boxster und Cayman. Andere Sportwagenhersteller wie Ferrari und Lamborghini hingegen haben ein klassische Handschaltgetriebe bereits gänzlich aus ihrem Sortiment gestrichen. Einige Zeit schien es so, als würde auch Porsche über lang oder kurz den klassische Schaltstock durch einen schnöden 'Wählhebel' ersätzen.

Doch wie heißt es im Volksmund so schön? - Totgesagte leben länger und so feiert das Schaltgetriebe im neuen GT3 eine fulminante Rückkehr und die gesamte Porschewelt steht kopf. Ja was denn nun?

Was soll es denn nun werden. Manuell oder doch lieber PDK - Dabei ist die Wahl doch denkbar einfach! Das PDK schaltet viel schneller als der Fahrer 'Neunelf' sagen kann. Es hat zudem einen siebten Gang parat, welcher auf langen unangenehmen Passagen, von einer Rennstrecke zur nächsten, für Entspannung sowohl bei Fahrzeug als auch bei Inssassen sorgt. Außerdem muss der Fahrer nie die Hände vom Lenkrad nehmen. Das ist besonders bei der Sekundenhatz auf der Rennstrecke entscheidend - Schließlich ist der GT3 ja ein Rennwagen mit Straßenzulassung  - Oder?!

Trotzdem: Würde ich mir morgen einen GT3 bestellen - genau so wie ich ihn mir bereits gefühlte 100 mal im Onlinekonfigurator der Porschewebsite zusammengestellt habe - er käme mit einem manuellen Getriebe.


Ein Elefant steht im Raum: Manuelles- oder PDK Getriebe?



Aber du hast uns doch gerade erklärt, dass das PDK viel besser und schneller ist, mag der ein oder andere Leser nun einwenden.

Trotzdem stünde meine Entscheidung zugunsten des Handschalters fest und ich erkläre euch auch warum.

Als ich vor genau 4 Jahren einen 991 Carrera S bekam, war ich begeistert. Nicht nur vom Auto sondern auch vom PDK. Kein Getriebe auf der Welt ist besser. Es schaltet sanft in der Stadt, kaum merklich auf der Autobahn und blitzschnell auf der Rennstrecke. Wenn man es im Sport-Plus Modus verwendet hat es zudem stets den optimalen Gang parat und kein Hobbyrennfahrer der Welt schaltet besser. Doch etwas entscheidendes fehlt mir. Der ganz persönliche Genuss einen Sportwagen zu fahren!



Diese Erkenntnis kam mir allerdings erst ein Jahr später, als mich das 'Luftgekühlt' Virus befiel und die Garage um einen 964 erweitert werden musste.  Fahren mit einem luftgekühlten 911 ist Arbeit.

Zuweilen ist es richtig anstrengend, gerade wenn man einen Bergpass nach dem anderen hoch jagt und einem ein grüner RS im Nacken hängt. Manchmal findet man nicht gleich den richtigen Gang und am Abend steigt man aus und ist fix und fertig. Aber:

 - BEI GOTT SO FÜHLT SICH ECHTER FAHRSPAß AN!

Wenn man erst einmal Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten und die des Autos entwickelt hat, verschmelzen Fahrer und Fahrzeug buchstäblich zu einer Einheit. Man hat das Gefühl vollkommener Kontrolle. Nichts funkt einem dazwischen. Man spürt förmlich wie das Getriebe die Kraft an die Hinterräder überträgt. Man hat einfach ein viel unmittelbareres Fahrgefühl als es je irgend ein Doppelkupplungsgetriebe erzeugen könnte und sei es noch so perfekt.



Hätte ich 152. 416 € zu viel auf meinem Konto (soviel kostet der neue GT3, ohne Ausstattung wohl gemerkt!) würde ich mir sofort einen neuen GT3 als Handschalter kaufen. Womöglich auch weil es vielleicht der letzten seiner Art ist. Ich würde ihn nur für mich kaufen. Zu meinem eigenen Vergnügen. Ich würde mit ihm durch die Dolomiten fahren, über den Berninapass, das Sellajoch und den Großglockner. Ich würde damit bis nach Finnland fahren und wieder zurück. Es wäre mir herzlich egal ob der GT3 mit PDK 0,5 Sekunden schneller auf 100 km/h ist und es wäre mir erst recht egal ob er auf der Nordschleife damit 12 Sekunden schneller wäre. Es wäre mir auch egal wenn mich andere Fahrer überholen und in wenigen Monaten eine RS Version heraus kommt, die noch schnellere Rundenzeiten ermöglicht. Einen GT3 kauft man für sich und für niemanden sonst und meiner persönlichen Erfahrung zur Folge bereitet nichts mehr Freude beim Autofahren als ein manuelles Getriebe!

Photos: Stefan Bogner - CURVES Magazin | All rights reserved. ©


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